Der dunkle Schmetterling

„Der Körper ist nur die Form der Seele“ – Immanuel Kant

Vielleicht ist das die Lösung aller Probleme: Vielleicht bin ich gar nicht real. Das macht doch Sinn. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass es eine allgemeingültige Realität gar nicht gibt. Psychologie-Grundkurs: unsere Wahrnehmung ist selektiv. Jeder kennt das: man hat es eilig, will noch schnell zum Bäcker, ist total fixiert auf die Bäckerei und den Zug, der gleich fährt. Wenn man dann nach einem Postkasten gefragt wird, hat man keine Ahnung, wo da der Nächste ist. Auch wenn man vor hundert Metern an einem vorbeigegangen ist. Oder: die rosarote Brille. Wenn alles einfach nur super ist. Oder das Gegenteil: es ist Dir eine Laus über die Leber gelaufen und es passieren an diesem Tag nur furchtbare DinCrud Cat Projects: Der dunkle Schmetterlingge. Die kleine Regenwolke direkt über Deinem Kopf, während im Rest der Welt die Sonne scheint. Wenn wir unsere Welt zusammen-selektieren, dann ist die Frage „Was ist denn jetzt real“, ganz schnell da. Schließlich nehme ich etwas ganz anders wahr als Du. Und dann berufen wir uns auf „Die Fakten“. Mein Körper. Der ist hier, das kann man nicht leugnen, der ist doch da. Den kann man anfassen, fühlen, schmecken, riechen. Mit allen Sinnen bestätigen: ja, der ist da, das ist ein Fakt, das ist real. Ich sehe das, und du siehst das auch. Also ist es so. Das ist die Realität. Wunderbar. Aber was ist mit mir? Mein Körper ist ein Teil von mir. Aber wo bin ich? Mit den Gedanken im Sonnenschein an einem Baggersee. Mit dem Hintern auf dem Sofa. Mit dem Herzen ganz bei Dir, mit den Händen am eigenen Körper. Ist das einzig reale an mir meine Kreatur? Seit vielen Jahren habe ich einen Alptraum, der immer wieder kehrt. Er dauert nur wenige Sekunden. Ein Schmetterling flattert durch einen dunkeln, leeren Raum. Es ist nichts um ihn herum. Er torkelt durch die Luft- wie die Schmetterlinge das eben tun. Ein Messer saust durch die Luft. Jemand muss es geworfen haben. Keine Ahnung woher. Aber Messer fliegen nicht von alleine. Und kurz darauf hängt er an der Wand, das Messer hat ihn durchbohrt. Kein Millimeter Platz zwischen seinen bunt gemusterten, wie vor Schreck ausgespreizten Flügeln und der schwarzen Wand.

 

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