Triptych of Cats and Rats

Ein Triptychon ist ein dreigeteiltes Bild. Oft ein Altar, bestehend aus einer Mitteltafel und zwei „Flügeln“. Praktisch, nicht nur für Reisen. Denn dann kann der Altar eingeklappt werden, die Bilder sind geschützt und er passt viel besser ins Gepäck. Auch in Kirchen waren die großformatigen Versionen, der sogenannte Flügelaltar, sehr beliebt. Denn so hatte man eine „Alltagsseite“, wenn der Altar geschlossen war. Aber auch eine „Feiertagsseite“, wenn man ihn öffnete. Neben diesen praktischen Gründen bietet das Triptychon aber noch etwas: Ganz im Sinne der mittelalterlichen Bedeutungsperspektive, bei der die bedeutenden Personen oder Dinge größer gemalt wurden als die weniger bedeutenden Dinge oder Personen, lies sich ein ähnliches Vermittlungsprinzip auch mit diesem Medium durchführen: der bedeutende Teil der Geschichte wurde in der großen Mitte platziert. So beispielsweise Szenen aus dem Leben Jesu oder der heiligen Maria. Auf den Seitenflügeln fanden dann die Nebenschauplätze, Stifter oder auch die Teile der Geschichte Platz, die zwar nicht den „Höhepunkt“ darstellten, trotzdem aber wichtig waren. So lassen sich auch viele Triptychen von links nach rechts ähnlich wie ein Comic lesen: Einleitung, Hauptteil, Schluss (vgl. „Der Heuwagen“ von Hironymus Bosch).

Auch das „Triptych of Cats and Rats“ hat eine Geschichte. Oder besser: Geschichten. Ja, es könnte sich fragen: habe ich eine Geschichte? Und wenn ja, wie viele?

Die Grundgeschichte ist:

  1. Bild: Als Du mir gesagt hast, dass die Ratte Dich nervt, habe ich mich auf die Suche nach ihr gemacht. Und Sie gefunden.
  2. Bild: Und sie erwischt. Ich hab sie.
  3. Bild: Hier zum Beweis: der Skalp.

Eine Art erfolgreiche Jagdgeschichte. Vielleicht auch etwas Heldentum. Eine Prise „Gut“ jagt „Böse“. Schauen wir uns nun aber die Katze und die Ratte genauer an, stellt man sehr schnell fest: das ist keine normale Fabel-Katze. Und auch keine Fabel-Ratte. Die Katze wirkt doch sehr menschlich, wenn man ihren Körperbau betrachtet. Und die Ratte sehr wie eine leere Hülle. Bemerkenswert ist auch der Raum: die Jagd spielt nicht, wie die Geschichte zuerst vermuten lässt, an vielen Orten, mit vielen Szenenwechseln. Der Raum ist sehr, sehr eng. Dieses Triptychon erzählt also auch die Geschichte von der Jagd nach den eigenen Dämonen. Die Ängste, die Sehnsüchte, die Zwänge, die tief in uns wohnen. Bis man sich im Spiegel anschaut und beschließt: jetzt kriege ich Dich. Ich bin hier die Katze und Du die Ratte. Und nicht umgekehrt.

 

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